Heiko Kasseckert

Kolumne im Hanauer Anzeiger vom 25.07.2026

Sind wir abgestumpft?

Wieder ein Messerangriff. Wieder ein Toter. Wieder ein brutaler Übergriff auf offener Straße. Wieder stammt der Tatverdächtige aus Afghanistan oder Syrien. Für einen kurzen Moment beherrschen solche Fälle die Schlagzeilen und dann verschwinden sie achselzuckend aus dem öffentlichen Bewusstsein. Als wäre das alles längst normal geworden.

Mich besorgt diese Entwicklung. Nicht nur die Gewalt selbst, sondern auch unsere Reaktion darauf. Haben wir uns daran gewöhnt? Sind wir als Gesellschaft abgestumpft? Oder fehlt uns inzwischen der Mut, über offensichtliche Zusammenhänge offen zu sprechen?

Natürlich handeln Straftäter als Einzelne, nicht als Vertreter einer Bevölkerungsgruppe. Millionen Menschen mit Migrationsgeschichte leben friedlich, arbeiten, integrieren sich und bereichern unser Land. Aber wahr ist eben auch, dass bei schweren Gewaltdelikten Tatverdächtige aus bestimmten Herkunftsländern – insbesondere aus Syrien und Afghanistan – seit Jahren überproportional häufig auffallen. Dokumentiert in der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik.

Warum fällt es uns so schwer, diese Realität auszusprechen und vor allem etwas dagegen zu tun? Warum wird jede Debatte darüber sofort mit moralischen Etiketten überzogen? Wer Probleme nicht benennen darf, wird sie auch nicht lösen.

Die Bürger erleben die Wirklichkeit jeden Tag. Sie lesen von Messerangriffen, sehen die Berichte über Gewalt in Innenstädten und Bahnhöfen und fragen sich, warum Politik und Teile der Öffentlichkeit so oft um das Offensichtliche herumreden. Dieses Schweigen schafft kein Vertrauen. Es zerstört Vertrauen.

Ein Rechtsstaat muss alle Menschen schützen. Dafür braucht es eine Migrationspolitik, die Humanität und Ordnung miteinander verbindet. Wer Schutz braucht, soll ihn erhalten. Wer schwere Straftaten begeht oder kein Bleiberecht hat, muss unser Land konsequent verlassen. Und wer Integrationsdefizite oder kulturell bedingte Gewaltmuster aus Angst vor Kritik verschweigt, handelt verantwortungslos.

Mich macht nicht nur die Gewalt nachdenklich. Mich macht nachdenklich, dass wir über ihre Ursachen immer weniger ehrlich sprechen. Eine Demokratie lebt von der offenen Debatte. Gerade dann, wenn die Wahrheit unbequem ist. Wegsehen war noch nie eine Lösung.