Was soll das?

Gastkolumne Hanauer Anzeiger

Was soll das? – war die Überschrift eines Kommentars der von mir sehr geschätzten Yvonne Backhaus-Arnold vom HA. Sie kritisierte meine Weitergabe einer Erklärung des Hessischen Innenministers zur Tatnacht am 19. Februar 2020 als Parteipolitik, obwohl der Minister einen Teil von Fragen beantwortete, auf die wir schon lange warten. Auch wenn die Informationen nicht zufrieden stellen können.

Dass der Notruf in der Nacht und bis heute über keine Möglichkeit der Weiterleitung verfügt und viele Anrufe hängengeblieben sind, ist ein Mangel, der nicht hinzunehmen ist. Die Polizei hat sofort nach dem ersten Notruf reagiert und war in weniger als 4 Minuten an beiden Tatorten. Der Vorwurf, die Polizei habe angeordnet, die Fluchttür zu verschließen, trifft nicht zu. Im Gegenteil. Die Polizei hatte die zuständige Behörde der Stadt auf die verschlossene Tür schon früher hingewiesen. Die Stadt hat wortreich erklärt, dass sie das überprüft und dem damaligen Betreiber die Erlaubnis entzogen hat. Nach dieser Vorgeschichte musste die Stadt sicher sensibilisiert sein, auch wenn es nicht ihre Aufgabe ist, das täglich zu kontrollieren. Diese Pflicht liegt beim Betreiber der Bar. Diese Frage ist aber deshalb so wichtig, weil der Fluchtweg für die jungen Männer der Weg in die Freiheit gewesen wäre und in dieser Nacht tatsächlich Leben gerettet hätte.

Dass die Aufarbeitung für die Angehörigen viel Zumutung bedeutet, weiß ich. Und ich fürchte, ihre Erwartungen werden in dem Ermittlungsverfahren nicht erfüllt, weil sich der Verlust eines Angehörigen und das Strafrecht auf unterschiedlichen Ebenen bewegen. Nichts wird ihren Schmerz und ihre Trauer lindern können. Das zwingt uns umso mehr, mit diesen Fragen objektiv umzugehen. Ich vertraue in die Institutionen von Staat und Justiz. Sie sollten die Antworten auf die Fragen bald liefern. Und solange eignen sich weder Medienberichte noch Kommentare für vorschnelle Verurteilungen oder Rücktrittsforderungen.

Inhaltsverzeichnis
Nach oben