Beschleunigung bei Verkehrsmaßnahmen gefordert

Politik und IHK im Gespräch mit Wirtschaftsministerium

Dr. Gunther Quidde, Heiko Kasseckert, Martin Weber, Frank Achenbach
Dr. Gunther Quidde, Heiko Kasseckert, Martin Weber, Frank Achenbach
Zu Beginn des Jahres 2017 hat der Deutsche Bundestag den Bundesverkehrswegeplan 2030 beschlossen. Darin enthalten ist eine Reihe von großen und bedeutenden Verkehrsmaßnahmen, die auch und besonders für den Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main von Bedeutung sind. Gerade die Verkehrsachsen A 3 / A 5 sowie die Schienenverkehre spielen für unsere Pendler im Main-Kinzig-Kreis eine große Rolle, betont der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, Dr. Gunther Quidde.

Von daher werde es begrüßt, dass der Bund im Förderzeitraum bis 2030 für Hessen mit über 8 Mrd. Euro eine Rekordsumme für den Zubau von Verkehrswegen bereit stellt, ergänzt der heimische Landtagsabgeordnete, Heiko Kasseckert (CDU). Besonderes Augenmerk für die Vertreter des Main-Kinzig-Kreises haben dabei die Baumaßnahmen an der A 3, dem Riederwaldtunnel und der Neubau der Nordmainischen S-Bahn.

Für die Umsetzung der Maßnahmen aus dem Bundesverkehrswegeplan hat das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung im Frühjahr eine Prioritätenliste aufgestellt. Die Fortsetzung von Planungs- und Baumaßnahmen rund um den Bau des Riederwaldtunnels sowie die Fortsetzung der Planungen für die Nordmainische S-Bahn werden von den Vertretern des Kreises sehr begrüßt. Auch hier hatten sich in der Vergangenheit die Vertreter von Wirtschaft und Politik gemeinsam für die Beschleunigung der Maßnahmen eingesetzt.

Als Schwachstelle im Verkehrsnetz bewerten die Vertreter des Kreises jedoch die Situation rund um die Anschlussstelle Hanau und die Weiterführung auf der A 3. Regelmäßig kommt es morgens und abends im Berufsverkehr zu Staus und Verzögerungen. Abhilfe könnte der Ausbau der Anschlussstelle Hanau und die Erweiterung der A 3 auf acht Fahrspuren zwischen Hanau und Offenbach bringen, so Kasseckert und Quidde. Diese Maßnahme ist bereits im Bundesverkehrswegeplan 2030 durch die parteiübergreifende Initiative der heimischen Bundestagsabgeordneten als Maßnahme mit vordringlichem Bedarf enthalten.

In der nun vorgenommenen Prioritätensetzung durch das Land Hessen wurden allerdings andere Abschnitte der A3 dem Streckenausbau ab Hanau vorangestellt. In einem Gespräch mit Vertretern des Ministeriums und von Hessen Mobil konnte nun die gesamtverkehrliche Situation betrachtet und die Priorisierung der einzelnen Bauabschnitte erörtert werden. Aus Untersuchungen und Simulationsberechnungen wird deutlich, dass der Ausbau der einzelnen Bauabschnitte aufeinander abgestimmt folgen muss. So würde beispielsweise die Erweiterung auf acht Spuren keine Entlastungseffekte erzielen, wenn nicht zuvor das Autobahnkreuz Offenbach und die Anschlussstelle Obertshausen umgebaut wären. Aus dieser Logik ergibt sich für das Land folgende Reihenfolge zur Verbesserung der Situation auf der A 3:

1. Ausbau des Offenbacher Kreuzes und der Anschlussstelle Offenbach 2. Ausbau der Anschlussstelle Frankfurt-Süd 3. Achtspuriger Ausbau der A 3 zwischen Offenbacher Kreuz und Anschlussstelle Obertshausen 4. Ausbau der Anschlussstelle Obertshausen 5. Achtspuriger Ausbau der A 3 zwischen Anschlussstelle Obertshausen und Anschlussstelle Hanau 6. Ausbau der Anschlussstelle Hanau und des Tannenmühlkreisels.

Bei den geplanten Maßnahmen handelt es sich um den Ausbau der Kreuze und Anschlussstellen mit Überfahrten, Bypässen, Reduzierung bzw. Optimierung der Verflechtungsbereiche und zum Teil auch um Tunnelbauwerke. Die Vertreter von Hessen Mobil wiesen außerdem darauf hin, dass in der Abwicklung der Maßnahme der Ablauf des Verkehrs im Kontext zu anderen Baumaßnahmen und auch die Planungskapazität eine große Rolle spielen. Diese Vorgehensweise, so Kasseckert und Quidde, ist fachlich nachvollziehbar. Sie kritisierten in dem Gespräch allerdings auch die zu langen Planungszeiten für derartige Infrastrukturmaßnahmen. Kasseckert forderte hier vom Bundesgesetzgeber Änderungen im Planungsrecht, die eine schnellere Realisierung wichtiger Verkehrsachsen ermöglichen. Die Probleme von zu langen Planungszeiten zeigen sich konkret am Beispiel Riederwaldtunnel. Die den damaligen Planungen zu Grunde liegenden Bevölkerungsprognosen sind längst überholt, was dazu führt, dass Planungen nach Jahrzehnten immer wieder erneuert werden müssen und sich das Baurecht immer wieder verzögert.

An der Bevölkerungsentwicklung der Stadt Frankfurt werden die Ansprüche an die Infrastruktur sehr deutlich. Ist man im Jahr 2013 noch von rund 640.000 Einwohnern ausgegangen, zählt Frankfurt bereits heute schon 730.000 Einwohner, also eine deutlich veränderte Situation nicht nur für den Wohnungsmarkt, sondern für die gesamte Verkehrsinfrastruktur. Diese bezeichnen die beiden Vertreter des Main-Kinzig-Kreises als die Hauptschlagader für die Rhein-Main-Region und als Grundlage für Wirtschaft, Wachstum und Wohlstand in unserer Region. Insofern muss es gelingen, die aufeinander abgestimmten Maßnahmen so zügig wie möglich umzusetzen, lautet die Forderung aus dem Kreis. Das alleine wird jedoch nicht ausreichen. Es bedarf eine Diskussion über die Änderung des individuellen Mobilitätsverhaltens sowie über die Entzerrung und einer intelligenten Steuerung von Verkehrsströmen. Auch diesen Themen wird man sich in nächster Zeit intensiv stellen müssen, schließen Kasseckert und Quidde.

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