Gefährliche Trumpomanie

Kolumne Stadtjournal, November 2016

Amerika hat gewählt. Der erste Schock sitzt immer noch tief. Mit der Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten haben die Amerikaner Geschichte geschrieben. Noch nie zuvor wurde ein Präsident gewählt, der die Nation so gespalten hat. „Wenn der Pulverdampf nach dem Wahlkampf in den Vereinigten Staaten verzogen ist, wird die Welt wieder ein starkes Amerika erleben“. Mitnichten. Der unerbittliche Wahlkampf, der so ziemlich der abschreckendste Wahlkampf war, den die westliche Nachkriegswelt je gesehen hat, hat Amerika politisiert und geteilt. In einer Art und Weise, wie es sich kaum eine zivilisierte Nation hätte vorstellen können. Die Welt wurde Zuschauer in einem Theater, das keine Grenzen der persönlichen Diffamierung kannte. Viel schlimmer, alle Werte einer zivilisierten Gesellschaft wurden missachtet. Es schien, als seien Werte, wie Respekt, Anstand, Moral und Sachlichkeit, Begriffe aus einer anderen Zeit. Und es bleibt zu hoffen, dass nach diesen erbitterten Auseinandersetzungen doch wieder aufrechte Amerikaner aus beiden Lagern zurückkehren. Dorthin, was sie als Vorbild und Weltmacht einst auszeichnete.

Aber die Rolle Amerikas in der Welt wird sich grundlegend ändern. Schon jetzt haben sich die Amerikaner zusehends als Bündnispartner zurückgezogen. Die jüngsten Krisen auf dem europäischen Kontinent, die Konflikte im Nahen Osten und nicht zuletzt die Ukraine-Krise haben gezeigt, dass die Amerikaner nicht mehr als Problemlöser für Europa einstehen. Dem folgt, dass sich die Europäer darüber klar werden müssen, dass nur ein geeintes Europa, ein gemeinsames und starkes Europa, das für sich selbst sorgt, auf Dauer bestehen kann. Der aufkommende Protektionismus und Nationalismus führen in die falsche Richtung.

Der Wahlkampf hat uns aber nicht nur eine neue Qualität der Auseinandersetzung gezeigt. Er hat auch deutlich gemacht, dass Demokratien anfällig sind, wenn es den Kontrahenten gelingt, die Gesellschaft in „die da oben“ und „wir hier unten“ aufzuteilen. Wenn es in den Wahlschlachten nicht mehr um Inhalte, Konzepte und Lösungen, Perspektiven und Zukunft geht. Sondern allein darum, „es denen da oben“ zu zeigen. Es ist schwer, gegen Emotionen, geschürte Ängste und Behauptungen die richtigen Rezepte und Antworten zu finden. Aber wir müssen darauf vorbereitet sein. Die USA sind nur einen Schritt weiter als Europa, als Deutschland. Und noch immer sind die Vereinigten Staaten ein Seismograph zukünftiger Entwicklungen westlicher Gesellschaften. Die Anfänge dessen, was wir heute in den USA beobachten, sind schon lange in Europa angekommen. Beispiele, wie der Brexit und der Erfolg der AfD, müssen uns ernsthaft besorgen, wenn wir verhindern wollen, dass die Wahl in Amerika auch zur Blaupause für rechtspopulistische Parteien in Deutschland wird und damit eine Erosion unserer Demokratie vorangetrieben wird.

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