Gewählt und doch verloren

Kolumne GT, November 2016

Amerika hat gewählt. „Wenn der Pulverdampf nach dem Wahlkampf in den Vereinigten Staaten verzogen ist, wird die Welt wieder ein starkes Amerika erleben“. Mitnichten. Egal wer diese Wahl für sich entschieden hat, der unerbittliche Wahlkampf hat Amerika gespalten in einer Art und Weise, wie man sich kaum eine zivilisierte Nation hätte vorstellen können. Die Welt wurde Zuschauer in einem Theater, das keine Grenzen der persönlichen Diffamierung kannte. Viel schlimmer, alle Werte einer zivilisierten Gesellschaft wurden missachtet. Es schien, als seien Werte wie Respekt, Anstand, Moral und Sachlichkeit Begriffe aus einer anderen Zeit. Und es bleibt zu hoffen, dass nach diesen Auseinandersetzungen doch wieder aufrechte Amerikaner zurückkehren, dorthin, was Vorbild und Weltmacht auszeichnet.

Der Wahlkampf hat uns aber nicht nur eine neue Qualität der Auseinandersetzung gezeigt. Sondern er hat auch deutlich gemacht, dass Demokratien anfällig sind, wenn es den Kontrahenten gelingt, die Gesellschaft in „die da oben“ und „wir hier unten“ aufzuteilen. Wenn es in den Wahlschlachten nicht mehr um Inhalte, Konzepte und Lösungen, Perspektiven und Zukunft geht. Sondern allein darum, „es denen da oben“ zu zeigen. Es ist schwer, gegen Emotionen, geschürte Ängste und haltlose Behauptungen die richtigen Worte zu finden. Aber wir müssen darauf vorbereitet sein. Denn die USA ist uns nur einen Schritt voraus – Beispiele wie der Brexit und der Erfolg der AfD müssen uns ernsthaft besorgen, wenn wir verhindern wollen, dass die Wahl in Amerika auch zur Blaupause für rechtspopulistische Parteien in Deutschland wird.

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