Notlage erfordert Abkehr von Ideologie

Gastkolumne Hanauer Anzeiger

Kaum ein Thema beschäftigt die Menschen neben dem Kriegsgeschehen in der Ukraine so sehr wie Sorge um die Energiepreise und die Angst vor einem Einbruch der Wärmeversorgung an kalten Wintertagen. Für den Fall, dass Putin tatsächlich die Gaslieferungen auch nach der Wartung nicht mehr in Betrieb nimmt, drohen vielen Tausenden Haushalten, aber auch vielen Industrieunternehmen der Zusammenbruch von Wärme- und Energielieferung. Zweifellos stehen wir vor einer drohenden Notlage, in der alle Optionen gezogen werden müssen, um die Belastungen für die Bevölkerung abzuwenden. Die Bundesregierung hinterlässt aber den Eindruck, dass sie die Kontrolle über die Energiepolitik verliert. Das Verständnis, dass die Regierung trotz der absehbaren Notsituation keine situativen Anpassungen oder vorübergehenden Korrekturen vornimmt, ist aufgebraucht. Sie hält starr, unbeirrt und verbohrt an ihren Plänen fest, die aus einer vollkommen anderen Ausgangssituation stammen und der eine ideologische Betrachtung der Energieversorgung zu Grunde liegt. 

Kein Land der Welt ist bisher zeitgleich aus Kohle- und Kernenergie ausgestiegen, ohne eine verlässliche Alternative zu haben. Ein Grund dafür, dass Deutschland von dieser Krise besonders hart betroffen ist. Die hohen Kosten, die für den Umbau unserer Energieversorgung schon vor dem Ukraine-Krieg für die höchsten Strompreise weltweit gesorgt haben, belasten alle Branchen und damit alle Lieferketten und sorgen für einen zusätzlichen Inflationsdruck – das Ausmaß der Belastungen für die privaten Haushalte können wir nur erahnen.

In dieser Notlage müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, um – angesichts der explodierenden Preise aller Energieträger – Bürger wie Industrie mit preisgünstigem Atomstrom zu entlasten. Wenn sich die Bundesregierung weiter dagegen sperrt, die drei noch verbleibenden Kernkraftwerke befristet am Netz zu halten, die im Übrigen mit ihrer Leistung 10 Mio. Menschen mit Strom versorgen können, verantwortet sie nicht nur eine katastrophale Belastung der Privathaushalte, sondern auch die massive Beschädigung der größten Stärke Deutschlands auch und gerade in internationalen Konflikten: unsere wirtschaftliche Kraft.

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