Herkulesaufgabe Corona

Gastkolumne Gelnhäuser Nachrichten

Die Herausforderung zur Bewältigung der Corona-Pandemie ist eine Herkulesaufgabe. Sie zählt ökonomisch, gesellschaftlich und emotional zu den größten Prüfungen der Neuzeit. Es ist ein Spagat zwischen Gesundheitsschutz zur Rettung von Menschenleben, Grundrechtseingriffen und der Verhinderung einer wirtschaftlichen Talfahrt mit unbekanntem Ausgang.

Bisher ist Deutschland gut durch diese Krise gekommen. Die Infektionszahlen und Todesfälle bewegen sich im europäischen Vergleich auf einem niedrigeren Niveau. Die wirtschaftlichen Folgen sind unterschiedlich stark – durch umfangreiche Hilfspakete des Bundes scheinen die Auswirkungen im Moment weniger stark als in der Zeit der Finanzkrise auszufallen. Aber Corona wird uns noch längere Zeit beschäftigen. Die Lockdown-Maßnahmen von Bund und Ländern ziehen sich bis weit in den Dezember hinein und wahrscheinlich auch noch darüber hinaus. Und auch wenn uns die bevorstehende Möglichkeit der Impfungen zuversichtlich in das neue Jahr blicken lässt, so sind die Impfungen auch nicht an einem Nachmittag erledigt, sondern es wird 6 bis 8 Monate dauern, um ca. 2/3 der hessischen Bürgerinnen und Bürger freiwillig impfen zu können. Die Kosten für den Impfstoff übernimmt der Bund, die Kosten der Impfung die Länder.

Die Maßnahmen, die Bund und Länder bisher beschlossen haben, werden vom allergrößten Teil der Bevölkerung als notwendig erachtet und akzeptiert. Waren beim ersten Lockdown noch viele verunsichert und verängstigt, wächst bei den jetzigen Maßnahmen zunehmend der Unmut über die – aus Sicht einiger – ungerechtfertigte Behandlung, etwa der Gastronomie, Fitness-Studios o. ä. Dort steht man häufig auf dem Standpunkt, dass Hygienekonzepte funktioniert und nicht zu größeren Infektionsherden beigetragen haben. Das mag auch so sein. Aber bei den aktuellen Entscheidungen geht es nicht um die Bewertung, ob Konzepte gut oder schlecht, geeignet oder ungeeignet waren – es geht einzig und allein darum, dass die unbestritten hohen Infektionszahlen und deren Dynamik gebrochen und gesenkt werden müssen. Zweifellos verhalten sich die meisten Bürger vernünftig, nur eben nicht alle. Zu viele halten sich nicht an die Spielregeln, Abstand-Hygiene-Alltagsmaske. Wenn in allen Lebensbereichen sorgfältig darauf geachtet worden wäre, wären die Infektionszahlen nicht explodiert.

Das zwingt uns heute, persönliche Kontakte auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Wir müssen Wirtschaft und damit Schule und Betreuung sowie Versorgung und Gesundheit aufrechterhalten. Alle anderen Lebensbereiche, wie Freizeit, Kultur, Reisen, Geselligkeit bis Gastronomie, müssen nahe null reduziert werden, um die Infektionsketten zu durchbrechen. Niemand hat daran Freude oder Interesse, die Freiheiten der Bürger nur zum Spaß einzuschränken, auch ein Politiker nicht.

Zu Recht erwarten die Menschen, dass die Politik handelt und die Folgen der Pandemie abwendet. Aber es gibt für Corona keine Vorlage. Und selbst die Wissenschaft ist sich nicht einig, was man jeden Abend im TV verfolgen kann.

Nur eines ist sicher: Einschränkungen sind zur Pandemiebekämpfung alternativlos. Man mag das beklagen, aber es ist die Wahrheit: Nicht die Politik ist schuld, sondern die, die Regeln nicht befolgen. Es liegt an uns, möglichst bald zu einer neuen Normalität im Jahr 2021 beizutragen. Bleiben Sie gesund!

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