Der Konsumgüter-Einzelhandel gehört mit zu den besonders hart von den Einschränkungen der Corona-Krise betroffenen Wirtschaftszweigen. Hochrechnungen schätzen den Umsatzverlust allein während der ersten vier Wochen des Lockdowns im Nicht-Lebensmittelbereich auf rund 30 Milliarden Euro, der in großen Teil auch nicht wieder aufzuholen sein wird. Denn viele Konsumenten sind verunsichert, halten sich mit Neuanschaffungen zurück oder haben ihren Bedarf über digitale Kanäle bereits gedeckt. 

Mit Blick auf die vielfältigen Funktionen, die der stationäre Handel für unsere Innenstädte, in Ballungszentren wie im ländlichen Raum, aber auch für die Finanzausstattung der Kommunen und nicht zuletzt für die beruflichen Perspektiven und die Ausbildung vieler Menschen übernimmt, müssen wir alles dransetzen, das drohende Sterben der vielfältigen, gerade auch familiengeprägten Unternehmensstruktur der Branche zu verhindern. In intensiven Gesprächen habe ich bei den ersten Lockerungen und bis heute daran mitgewirkt, dass wir zu tragfähigen Lösungen und zur Rückkehr der „Normalität“ kommen, um den Einzelhändlern wieder Umsätze und Perspektiven zu verschaffen.

Wir haben umfangreiche Liquidität bereitgestellt, Kreditprogramme angepasst und steuerliche Erleichterungen geschaffen. Jetzt müssen wir die Rückkehr der Kundschaft in die Geschäfte ermöglichen – was unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln auch vertretbar und verantwortungsvoll möglich ist. Für die Nach-Coronazeit sollten zur Stärkung des stationären Handels und der Innenstädte Lockerungen des Ladenschlussgesetzes, etwa mit mehr verkaufsoffenen Sonntagen in den Herbst- und Wintermonaten, angeboten und die Unternehmen des Einzelhandels in ihrer aktuell schwierigen Lage von staatlichen Bürokratiepflichten entlastet werden. Neben diesen kurzfristigen Maßnahmen bedarf es unserer Unterstützung als Kunden durch den Einkauf vor Ort und der Gestaltung fairer Rahmenbedingungen zwischen stationärem Handel und der Plattformökonomie für eine gerechtere Gestaltung des Wettbewerbs zwischen Online- und stationärem Vertrieb. Damit wir auch in Nach-Coronazeiten auf attraktive Innenstädte bauen können, in denen Handel, Gastronomie und fröhliche Menschen und nicht Ödnis, geschlossene Geschäfte und schmutzige Ecken das Bild prägen.

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