Die letzten Tage und Wochen gehen an niemandem in Hanau spurlos vorüber. Der rassistisch motivierte Anschlag, den zehn Menschen mit ihrem Leben bezahlen mussten, wird sich tief in unser Gedächtnis und in die Seele dieser Stadt eingraben. Niemand war darauf vorbereitet, konnte es vorhersehen oder auch nur in den schlimmsten Träumen erahnen. Für uns alle war und ist es eine Ausnahmesituation. Es wurde viel geschrieben, über Hass und Hetze, Erklärungen, Verklärungen, Absichten, Versprechen, Zukunft. Den Angehörigen der Opfer wurden viel Mitgefühl, Zuspruch und Anteilnahme zuteil. Um eine Wiederholung einer solchen Tat zu vermeiden, müssen wir aber Ängste und Verunsicherung, die es in allen Teilen der Gesellschaft gibt, ernst nehmen und sie nicht klein reden.

Nach der zentralen Trauerfeier, in der vor allem die Worte des Freundes und der Angehörigen der Opfer tief unter die Haut gegangen sind, werden die Scheinwerfer ausgehen und die Kameras nach und nach abgebaut. Und es liegt ganz allein an uns, die Erinnerung wach zu halten und dafür zu sorgen, dass so etwas nie mehr passiert. Nicht in Hanau, nicht in Deutschland und nirgendwo anders auf der Welt. Nichts ist in so einer Situation selbstverständlich. Ich habe am Tag nach dem Anschlag den ganzen Tag bis spät abends im Lagezentrum im CPH verbracht. Das Erlebte hat mich zutiefst berührt, das Leid der Angehörigen betroffen gemacht. Aber ich habe an diesem und in den Tagen danach großen Respekt vor der Umsichtigkeit, der Haltung und dem Einsatz des Oberbürgermeisters und seines gesamten Teams empfunden. Obwohl wir politisch unterschiedlich denken, habe ich mich von ihm gut vertreten gefühlt. Hochprofessionell wurden alle Maßnahmen, Veranstaltungen, Trauerfeiern, Beisetzungen und die Koordination der Weltpresse abgearbeitet. Das, was er und sein Team sowie alle Rettungskräfte geleistet haben, verdient unser aller Dank und Anerkennung, und ich verneige mich davor. Am Ende zeigt sich gerade in den schwersten Stunden, wie tragfähig unsere Gesellschaft, unsere Demokratie und unsere Administration ist. Hanau hat es bewiesen.

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