Geplant: Klimaschutz auf einem radikalen Level!?

Kolumne

„Der Klimawandel“ – bei allen Diskussionen, die sich um dieses Thema drehen, scheinen Fakten keine oder nur selten eine Rolle zu spielen. Gutes Beispiel dafür ist die Bewegung „Fridays for Future“. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mit grenzenloser Begeisterung von der neuen Demokratiebeteiligung junger Menschen gesprochen wird. Dabei reicht schon die Behauptung, man wolle die Welt retten, weil es die Erwachsenen nicht tun, um von vielen bewundert zu werden - auch aus der Politik -, die sich häufig von so viel Engagement geradezu inspiriert zeigt. Aber genau diese moralische Überhöhung durch die Politik scheint mir ein Problem zu sein.

Ich erlebe in vielen Diskussionen um Klimathemen zunehmend Gesprächspartner, die immer uneinsichtiger gegenüber Fakten werden. So werden Argumente und Tatsachen vom Tisch gewischt, ohne sich damit auseinanderzusetzen. Beispielsweise ist es bei der Bewertung von Maßnahmen zur CO2-Reduzierung kaum möglich, eine sachliche Diskussion über die Verhältnismäßigkeit und Folgen zu führen, die entstehen, wenn Deutschland - das nur rund 2 % des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortet - im Alleingang den Kohleausstieg beschließt, ohne eine Antwort auf eine bezahlbare Energieversorgung geben zu können.

Daran hängen ganze Wirtschaftszweige, Arbeitsplätze und unser Wohlstand.Kein Wort darüber, welche Umweltschäden für die Rohstoffgewinnung von Lithium oder Kobalt für batteriebetriebene Elektroautos entstehen. Und unter welchen Bedingungen Menschen und vor allem Kinder in den Kobaltminen dieser Welt für unsere Smartphones, ohne die die Generation Y und Z das Haus nicht verlässt, schuften müssen. Die „Ich-rette-die-Welt-Botschaft“ scheint über allem zu stehen. Aber so einfach funktioniert die Welt eben nicht.

Die Entscheidung der Kultusminister, dass die Teilnahme an den Freitagsdemonstrationen auch nach den Ferien ohne Konsequenzen bleiben soll, halte ich für grundfalsch. Mit welcher Begründung sollen Schüler für sich in Anspruch nehmen, das Gesetz brechen zu dürfen? Etwa, weil sie sich einer höheren Sache verschrieben haben? Diese moralische Überhöhung muss jeden, der sich für die Gesellschaft, im Verein oder für Mitmenschen engagiert und sich dabei an Recht und Gesetz hält, stutzig machen. Und es geht noch weiter. Bei einer der letzten Demonstrationen hat ein jugendlicher Veranstalter gesagt, wo es hingehen soll: „Wir wollen Klimaschutz auf einem richtig hohen Level, einem ziemlich radikalen Level, das auch nötig ist“. Das gibt eine Ahnung, was noch kommen soll. Bewegungen, die auf einen radikalen Systemwechsel dringen und die Gesellschaft in gut und böse einteilen, haben aber immer schon in die Irre geführt und mehr gespalten als erreicht.

Ich will die Politisierung junger Menschen nicht schmälern. Aber Wahrheit basiert auf Fakten und Tatsachen. Und das gilt auch für Fridays for Future. Nur so kann man verantwortungsvoll Zukunft gestalten.


Inhaltsverzeichnis
Nach oben