Presse
25.05.2018, 08:03 Uhr
Integration ist keine Einbahnstraße
Kolumne Hanauer Anzeiger, 26.05.2018
Gerade in diesen Tagen, in denen die muslimische Bevölkerung ihren Ramadan feiert, kocht die Frage, ob der Islam wirklich zu Deutschland gehört, immer wieder hoch. Befeuert wurde diese Diskussion durch die Ehrerbietung von Gündogan und Özil zu „ihrem“ türkischen Präsidenten Erdogan. Mag sein, dass dies eine unüberlegte Aktion der beiden deutschen Nationalspieler war – geschenkt! Tatsächlich aber offenbart es ihre Haltung im Herzen. Und da sind sie ihrer türkischen Herkunft und Heimat offensichtlich tief verbunden, wie viele andere in Deutschland lebenden Muslime auch. 

Ich persönlich teile deshalb nicht die Auffassung, dass der Islam zu Deutschland gehört. Unsere Wurzeln, unser Glaube und auch unser gesellschaftliches Miteinander sind weitgehend grundverschieden zum Islam. Auch wenn inzwischen viele Muslime ihre Heimat in Deutschland gefunden haben, lässt sich für mich darin nicht gleichzeitig ein Teil Deutschlands, quasi ein Stück deutsche DNA erkennen. Unsere Herkunft hat andere Grundlagen. Das ist es, was Deutschland ausmacht, und dazu sollte man sich auch klar bekennen.  

Zu Deutschland gehört aber auch die Freiheit der Religion. Und deshalb müssen wir selbstverständlich akzeptieren, dass Menschen anderen Glaubens ihre Rituale feiern und bewahren. Der Ramadan gehört dazu. Die Religionsfreiheit darf jedoch aus meiner Sicht nicht rechtfertigen, dass wir zusehen, wie Kinder und Jugendliche 16 Stunden täglich weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich nehmen dürfen. Die Berichte von Schülerinnen und Schülern, die übernächtigt sind und im Unterricht einschlafen oder entkräftet bei den Bundesjugendspielen zusammenbrechen, erreichen mich häufig. Und es sollte klar sein, dass dort, wo das Wohl der Kinder und Jugendlichen gefährdet ist und Schule und Unterricht beeinträchtigt werden, die Religionsfreiheit als Grund nicht akzeptiert werden kann. Das betrifft nicht nur den Ramadan. Auch im Sport- oder Schwimmunterricht sowie bei Klassenfahrten wird muslimischen Kindern von ihren Eltern die Teilnahme mit oft fadenscheinigen Gründen untersagt. Wer Deutschland als Land seines Zuhauses wählt und den Anspruch auf Integration stellt, dem muss klar sein, dass Integration keine Einbahnstraße ist und das Argument der Religionsfreiheit nur zieht, wenn die Beeinträchtigung anderer Rechte und Pflichten verhältnismäßig ist. Das strikte Fastengebot für muslimische Schülerinnen und Schüler schadet deren Gesundheit, und es leidet der Unterricht für alle. Deshalb brauchen Lehrer die Rückendeckung der Politik, nicht nur mit pädagogischer, sondern auch mit religiöser Autorität sprechen zu können.

Diese Seite in einem sozialen Netzwerk veröffentlichen:

  • Twitter
  • Facebook
  • MySpace
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Folkd
  • Google Bookmarks
  • Yahoo! Bookmarks
  • Windows Live
  • Yigg
  • Linkarena
  • Mister Wong
  • Newsvine
  • reddit
  • StumbleUpon