Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren

Heiko Kasseckert: „Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges mahnt zu wehrhafter Demokratie in einem friedlich geeinten Europa“

„Auch 70 Jahre nach Kriegsende ruft der 8. Mai 1945 bei Zeitzeugen und ihren Nachfahren noch immer sehr unterschiedliche Erinnerungen hervor. Der Tag war Untergang und Befreiung zugleich, er war das Ende des Bösen, er war der Tag der Ungewissheit, der Tag der Hoffnung auf ein besseres Leben ohne Krieg und Leid und er war der Beginn des Friedens in Europa“, so der Sprecher für Angelegenheiten des Hauptausschusses, Heiko Kasseckert, anlässlich des 70. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945.

„Aus eigener Kraft konnte sich Deutschland 1945 nicht von der nationalsozialistischen Diktatur befreien. Erst die drei Westalliierten Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten eröffneten Deutschland nach dem Kriegsende am 8. Mai 1945 die Chance zum Neubeginn und zur Rückkehr in den Kreis der freiheitlich und demokratisch konstituierten Staaten. Die Integration des einstigen Kriegsgegners Deutschland in das Wiederaufbauprogramm des Marshallplanes und die Anbindung an die freien Völker des Westens verhalfen der im Entstehen begriffenen Zweiten Republik zu innerer Stabilität und außenpolitischer Berechenbarkeit. Aus der außenpolitischen Isolation befreit, wirkt die Bundesrepublik seither als verlässlicher Partner an der Behauptung von Frieden und Demokratie in Europa und der Welt. Die Überwindung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und die Wiederherstellung von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bedeuteten somit eine Zäsur in der deutschen Geschichte und ließen nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges die zumeist wechselhafte und unstete Vergangenheit hinter sich. An ihre Stelle trat – zunächst nur im westlichen Teil Deutschlands – eine Stabilitäts- und Erfolgsgeschichte, die aus den Erfahrungen des Scheiterns der Weimarer Republik und des für Krieg und Shoah verantwortlichen Nationalsozialismus heraus eine wehrhafte Demokratie begründete und die Ächtung von Extremismus und Gewalt fortan als kategorischen Imperativ der Bundesrepublik definierte“, so Kasseckert.

„Nur einen Tag nach dem Gedenken des Kriegsendes begehen wir am 9. Mai den Europatag der Europäischen Union. Diese unmittelbare chronologische Aufeinanderfolge des Gedenkens an das Ende eines deutschen Irrweges am 8. Mai und an den Aufbruch in eine gemeinsame europäische Zukunft am 9. Mai steht dabei beispielhaft für Schatten und Licht in der deutschen Geschichte. Das Ende der jahrhundertealten Bruderkriege in Europa bildete zugleich den Beginn der längsten Friedensepoche der neueren deutschen Geschichte. Die Völker Europas reichten Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg die Hand zur Versöhnung; aus der Überwindung der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich entwickelten sich nach 1945 das Herz und der Motor des europäischen Einigungsprozesses. Trotz der Schrecken des Holocaust, der Deutschland eine besondere Verpflichtung und Verantwortung gegenüber Israel auferlegt, sind wir heute auch mit Israel freundschaftlich, politisch und wirtschaftlich eng verbunden. Der 70. Jahrestag des Kriegsendes ist daher auch ein Tag des Dankes an diejenigen, die uns das Leid, das von Deutschland aus über Europa gebracht wurde, verziehen haben. Das seit Kriegsende erworbene Vertrauen war die maßgebliche Voraussetzung für die mit der Überwindung des Ost-West-Konfliktes und der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 sowie mit der Intensivierung des irreversibel gewordenen Europäisierungsprozesses abgeschlossene Reorganisation der europäischen Nachkriegsordnung“, so Kasseckert.

„Heute gibt es nur noch wenige Zeitzeugen des Krieges und seiner Entstehung. Deshalb müssen wir die Zeugnisse dieser Irrwege in Form von Tagebüchern, Bildern, Filmen, Material über die führenden Köpfe des Dritten Reichs, die SS-Massenmorde, über die Opfer in den Konzentrations- und Vernichtungslagern und die Zerstörung weiter Teile Europas, in Gedenkstätten immer zugänglich machen. Ziel der Gedenkstätten ist es, Verantwortung wahrzunehmen, die Aufarbeitung zu verstärken und das Gedenken zu vertiefen. Wir dürfen vor Extremismus, Europafeindlichkeit und politisch motivierter Gewalt nicht die Augen verschließen. Die Geschichte lehrt uns, aufmerksam und wehrhaft unsere Grundwerte und Demokratie zu verteidigen“, sagte Kasseckert.

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