Europa hat den Griechen mit der Verlängerung des Hilfsprogramms weiteren Aufschub ermöglicht. Nach zähem Ringen haben die Griechen eingelenkt und der Fortsetzung ihrer Reformschritte zugestimmt. Die Rhetorik ihres Finanzministers und dessen Forderungen nach einem weiteren Schuldenschnitt für Griechenland schaden aber den Griechen stark und strapazieren die Geduld der übrigen Europäer. Griechenland muss zeigen, dass man das System von Vetternwirtschaft und Steuerbetrug wirklich verändern will. Denn nur mit einer glaubwürdigen Politik kann Griechenland es schaffen, in den nächsten Monaten und Jahren wieder vertrauens- und kapitalmarktfähig zu werden.

Die kritischen Stimmen im Vorfeld der Entscheidung des Deutschen Bundestages sind dabei nur allzu verständlich. Immerhin geht es um riesige Summen, um Milliardenbeträge, die bei einem griechischen Staatsbankrott anteilig auch vom deutschen Steuerzahler zu leisten wären. Jenseits der Tatsache und der ökonomischen Gewissheiten, dass die Rückzahlung der jetzigen Hilfskredite schon weit in die Zukunft verschoben ist, kann Europa aber mit Blick auf andere Staaten, die ebenfalls ins Straucheln gekommen sind, wie etwa Spanien, Portugal oder Irland, keine Nachsicht mit der griechischen Regierung zulassen. Zu schnell würden notwendige Reformen in diesen Ländern ins Stocken geraten oder gar steckenbleiben. Die Folge wäre ein ökonomisch-politischer Zusammenbruch der europäischen Idee, die letztlich nicht nur eine international erfolgreiche wirtschaftliche Basis bedeutet, sondern vor allem auch ein Garant für Frieden und Freiheit in Europa ist. Deshalb geht es meines Erachtens in der Griechenland-Frage nicht nur ums Geld. Wahrscheinlich würde Europa dies ökonomisch sogar verkraften. Würden die Griechen aber zur Finanzierung ihres Staatshaushaltes auf das Angebot aus Moskau zurückgreifen und sich dort frisches Geld besorgen, wäre es das erste westeuropäische Land und der erste Nato-Staat, der in einer Abhängigkeit zu Russland steht. Und so könnte aus der griechischen Krise und der provozierenden Rhetorik ihrer Regierung am Ende eine Verschiebung des geopolitischen Kräfteverhältnisses stehen, das uns mit großer Sorge begleiten muss. Schon allein deshalb sollten Deutschland und Europa ein Interesse an der Stärkung und Genesung Griechenlands haben.

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