Kurz notiert
29.03.2018, 13:40 Uhr | Heiko Kasseckert
Brexit heißt Brexit
Kolumne Hanauer Anzeiger

Als die Engländer im Jahr 2016 mit einer knappen Mehrheit von 52 % für den Brexit gestimmt haben, wollte es kaum jemand glauben. Was bedeutet das für Europa? Wird es eine zweite Abstimmung der Engländer geben, wenn ihnen klar wird, wie sich der Austritt aus der EU auf die Wirtschaft, das Land, den europäischen Handel und die Freizügigkeit auswirken wird? Erhalten die Engländer eine Sonderbehandlung? Zwei Jahre nach der Abstimmung kehrt Ernüchterung ein. Auf beiden Seiten. Klar ist, Brexit heißt Brexit. Die Briten haben sich damit abgefunden, und es gibt keine Bestrebungen, diese Entscheidung umzukehren. Der Rest Europas sollte sich auch darauf einstellen. Und klar ist, das Europa der verbleibenden 27 Staaten ist enger zusammengerückt, sodass ein Brexit für England nur ein „Weniger“ bedeuten kann als der Verbleib in der EU.

Wiesbaden/Hanau -

Die Auswirkungen auf den traditionell starken Finanzplatz London, das Problem mit der nach langer Zeit gefallenen Grenze zu Nordirland und vor allem die Vorteile der Zollunion beschäftigen in erster Linie die Vertreter der Wirtschaft. Aber anders als in Deutschland gehen die Engländer selbstbewusst an die Herausforderung heran. Sie wissen, dass es schwierige Jahre geben wird, und trotzdem schauen sie unerschrocken auf die Chancen in anderen Branchen, Ländern und Wirtschaftsräumen. Um die genauen Details zu verhandeln, hat man sich nun auf eine Verlängerung der Austrittsfrist bis 2020 geeinigt. Während dieser Zeit kann Großbritannien trotz Brexit weiter vom EU-Binnenmarkt und der Zollunion profitieren, hat aber keine Mitsprache mehr in den europäischen Institutionen. Danach wird scharf geschaltet.

Für Hessen als starker Standort der Finanzindustrie entstehen gute Chancen, von der Verschiebung der Finanzmärkte auf das europäische Festland zu profitieren. Nicht nur für Banken oder europäische Aufsichtsorgane, sondern auch für die FinTech-Szene, also junge Unternehmen, die sich mit der Weiterentwicklung von innovativen Finanzdienstleistungen beschäftigen, öffnen sich neue Märkte. Am Ende aber muss die europäische Idee für die verbleibenden 27 EU-Staaten so stark bleiben, dass Abwanderungen weiterer Staaten vermieden werden. Und dabei geht es eben nicht nur um wirtschaftliche Vorteile der europäischen Gemeinschaft. Wenn wir Europa erhalten wollen, müssen die Menschen einen Vorteil im Gemeinsamen erkennen. Für sich und das große Ganze. Europa darf nicht nur als Einflussnahme, Einschränkung und Verschärfung rechtlicher Rahmenbedingungen verstanden werden, sondern als ein Zusammenschluss europäischer Staaten, die sich nur gemeinsam in einer sich immer weiter globalisierenden Welt erfolgreich behaupten können. Dabei müssen aber Identität und Heimat erhalten werden, um eine Erosion der europäischen Idee, wie sie in England entstanden ist, zu vermeiden. 

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