Meisterpflicht – gut für das Handwerk

Gastkolumne Hanauer Anzeiger

Die Abschaffung der Meisterpflicht im Jahr 2004 für mehr als 50 Berufe war ein Fehler. Die damalige rot-grüne Bundesregierung wollte mit der Reform der Handwerksordnung einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. Entstanden ist eine Welle von Solo-Selbstständigen aus vielen Ländern Europas, was nicht selten zu massiven Problemen, etwa bei der Qualität, geführt hat. Aber nicht nur die Qualität hat oft gelitten. Weniger Auszubildende, weniger Fachkräfte, schneller vom Markt verschwindende Betriebe und infolge dessen ein geringerer Gewährleistungs- und Verbraucherschutz für die Kunden waren die Folgen.

Mit der nun angekündigten Wiedereinführung der Meisterpflicht für zwölf Gewerke ab Anfang 2020 ist ein erster Schritt in die richtige Richtung getan, um den Fehler von damals zu korrigieren. Es entsteht mehr Qualität für die Kundschaft und mehr Nachwuchs im Handwerk durch eine bessere Ausbildung. Ich selbst habe mich in den hessischen Koalitionsverhandlungen für die Meisterpflicht eingesetzt und konnte die Aufnahme einer entsprechenden Vereinbarung im Koalitionsvertrag erreichen.

Wir müssen gut darauf achten, dass wichtige Grundlagen unserer Wirtschaft, wie Meisterpflicht und duale Ausbildung, erhalten bleiben und nicht dem europäischen Gleichheitswahn geopfert werden. Die Erfahrung aus der Abschaffung der Meisterpflicht sollte uns warnen. Die jetzige Entscheidung ist ein starkes Signal für mehr Qualität und Qualifikation im Handwerk. Das Land erhöht die Attraktivität der Handwerksberufe mit einem Meisterbonus und der Durchlässigkeit von Ausbildung bis zum Studium. Notwendig wäre allerdings auch eine gesellschaftliche Anerkennung der Handwerksberufe, weil wir zunehmend darunter leiden, dass zu wenig ausgebildete Handwerker und Fachkräfte zur Verfügung stehen, und der Ruf des Handwerks einem Studium immer noch hinterherhinkt. Dabei gilt nach wie vor - oder vielleicht erst recht wieder: Handwerk hat goldenen Boden.

Zum Hintergrund:

Betroffen sind folgende Gewerke:

Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer sowie Parkettleger. Außerdem für: Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Glasveredler, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Raumausstatter sowie Orgel- und Harmoniumbauer.

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