Pressearchiv
08.01.2015, 21:30 Uhr
Auf ein gutes neues Jahr

Zum Jahreswechsel 2015 begleiten Sie meine besten Wünsche. Mögen Glück, Gesundheit und Zufriedenheit ihre ständigen Begleiter sein.

 

Diese aber, für uns persönlich wichtigen Wünsche, werden unserer Gesellschaft und unserer politischen Verantwortung nicht ausreichen. Deutschland wird sich auch zu Beginn des neuen Jahres alten und neuen Herausforderungen gegenübersehen. Und neben der Abarbeitung internationaler Krisen und Konflikte und der gestiegenen Verantwortung deutscher Politik im Ausland, wachsen innerhalb der deutschen Bevölkerung zunehmend Verunsicherung, Unzufriedenheit und die Angst davor, der Islam gewinne zu viel Einfluss in Deutschland. „Pegida-Demonstration“ ist das Reizwort dieser Tage. Und doch überrascht es mich, dass wir einer ständig wachsenden Bewegung nichts anderes entgegenzusetzen haben, als den Vorwurf des Radikalismus oder des Neo-Nazismus.


Natürlich mahnte die Bundeskanzlerin zu Recht in ihrer Neujahrsansprache davor, nicht denen zu folgen, die zu den Demonstrationen aufrufen, deren Motive nicht selten Hass und Fremdenfeindlichkeit sind. Das aber ist nur eine Sicht der Dinge. Denn darin steckt auch die Erkenntnis, dass Menschen auf die Straße gehen, weil sie offenbar mit ihren Ängsten und Sorgen an anderer Stelle nicht gehört werden. Sie alle als fremdenfeindlich oder als Neo-Nazis zu beschreiben, wäre grundfalsch. Sie bewegt ein zutiefst nachvollziehbares Gefühl. Nämlich die Angst um den Verlust der eigenen Identität und der Kultur des christlichen Abendlandes, einer aufgeklärten, säkularisierten Welt. Es ist nicht fremdenfeindlich, wenn es in weiten Teilen der Bevölkerung auf Ablehnung stößt, dass Schwimmbäder für den Schwimmunterricht muslimischer Kinder geschlossen oder Gebetsräume in Schulen eingerichtet werden. Ganz zu schweigen von dem Vorschlag, an Weihnachten islamische Lieder in christlichen Kirchen zuzulassen oder der Sorge, dass islamische Hassprediger unsere rechtstaatlichen und zivilisatorischen Grundsätze mit ihren Lehren auf Marktplätzen und an Schulen unterlaufen können. Es sind genau diese Beispiele vermeintlicher Integration, die dazu führen, dass die Menschen sich empfindlich in ihrem Selbstverständnis gestört fühlen.

 

Wir müssen hinhören und das Gespräch suchen. Politik lebt von der Diskussion und nicht von der Ausgrenzung. Und wir müssen klare Grenzen ziehen, zu denen, die sich nicht integrieren wollen. Deutschland ist zur Aufnahme und Integration bereit. Aber Integration bedeutet, die Kultur und die Regeln des Aufnahmestaates anzuerkennen. Die notwendige Aufnahme von Flüchtlingen, zu der Deutschland bereit und in der Lage ist, wird nur gelingen, wenn diese Grundsätze unverrückbar Gegenstand deutscher Politik werden. Nur damit können wir vermeiden, dass Teile der Bevölkerung der Verlockung von AfD oder anderen Parteien aus dem radikalen Spektrum auf Dauer erliegen.


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